Muränen und Aale

Eine sehr schöne Bereicherung für ein Meerwasseraquarium können Muränen und Meeresaale sein. Diese schlangenartigen Wesen sind je nach Art entgegen der allgemeinen Erwartung friedliche Tiere, die in Anbetracht ihrer ruhigen Lebensweise sogar gut zusammen mit Seepferdchen gehalten werden können. Außerdem sind sie viel leichter zu halten als z.B. Seepferdchen oder Seenadeln, sofern bestimmte Grundregeln beherzigt werden.

seltener grüner Aal mit Nasenmuränen

Dies gilt speziell für die hübschen Nasenmuränen, die in aller Regel weder gegenüber Artgenossen noch anderen Fischen irgendwelche Aggressionen zeigen. Ihre Lieblingsbeschäftigung besteht zwar darin, den lieben Tag lang sämtliche Mitbewohner mit weit aufgerissenem Maul "anzufauchen", allerdings bleibt es meist bei reinen Drohgebärden. Im schlimmsten Fall werden allzu freche Mitbewohner auch mal in die Nase gezwickt. Das Aufreißen des Mauls erfüllt auch noch eine weitere Funktion: Muränen atmen auf diese Weise - im Unterschied zu den meisten anderen Fischen.

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Nasenmuräne

Anders als Seepferdchen haben Muränen eine hohe Lebenserwartung und können über 10 Jahre alt werden. Speziell Nasenmuränen weisen eine interessante Besonderheit auf: Sie durchlaufen in ihrem Leben drei verschiedene Abschnitte, in denen sie sowohl ihr Geschlecht als auch ihre Farbe wechseln. Während Jungtiere einen schwarzen Körper mit knallgelbem Flossensaum aufweisen, nehmen die Tiere in ihrem zweiten Lebensabschnitt eine stahlblaue Körperfarbe an, der Flossensaum bleibt gelb, die Muränen sind nun geschlechtsreife Männchen. In ihrer letzten Lebensphase werden diese Tiere dann zu komplett gelben Weibchen.

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drei Nasenmuränen in ihrem Lieblingsrohr

Nasenmuränen werden über einen Meter lang, ihr Körper misst  aber lediglich etwa 1 cm im Durchmesser, so dass sie eigentlich keine Gefahr selbst für kleinere Fische darstellen. Ich konnte jedenfalls bisher keine Angriffe beobachten. Sie besitzen nur zart angedeutete Zähnchen, die bei einem Zubeißen nicht zu Verletzungen führen. Allerdings wird auch immer wieder von Exemplaren berichtet, die nach und nach das Becken von sämtlichen kleineren Fischen "befreien".

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Interessant ist bei der Haltung mehrerer Nasenmuränen ihr Gruppenverhalten: Wird von einem "Eindringling" das Versteck oder Futter einer einzelnen Muräne beansprucht, zeigen sie sich auf der Stelle solidarisch und gehen gemeinsam gegen den Störenfried vor. Die Gegenmaßnahmen beschränken sich dabei auf reine Drohgebärden oder ein leichtes Zwicken des Störers.

schwimmende Nasenmuräne

Vorsicht ist dagegen geboten bei der Haltung anderer Muränenarten, insbesondere solcher, die über scharfe Zähne verfügen und eine Tendenz zum "Reißen" der Beute zeigen. Bereits deren Jungtiere sind in der Lage, einen Futterfisch mit einem einzigen Biss sauber zu durchtrennen. Solche Arten werden zudem oft sehr groß und haben dann einen enormen Körperdurchmesser, hier kann es sogar für größere Fische ziemlich brenzlig werden.


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so jung und schon so aggressiv

Nur ganz selten trifft man im Fachhandel auf Meeresaale. Über diese Tiere ist daher auch nicht sehr viel bekannt, weshalb sich eine gewisse Zurückhaltung beim Kauf empfiehlt. In einem Becken mit ausschließlich größeren Fischen dürfte es allerdings keine Probleme geben. Der von mir gehaltene grüne Aal ist zum Beispiel absolut friedlich und lässt sich sogar von den harmlosen jungen Nasenmuränen einschüchtern. Und das, obwohl er in wahrlich atemberaubendem Tempo wächst.

"Wann gibt es endlich etwas zu essen?"

Interessanterweise ist der Aal - anders als die Muränen - ein ausgesprochen aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung: Den ganzen Tag lang verfolgt er mein Tun aus einer gut getarnten Position heraus und macht bei entsprechendem "Magenknurren" durch hektische Schwimmbewegungen auf sich und die überfällige Fütterung aufmerksam.

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Jetzt bloß cool bleiben, die kann mich mal!

Nasenmuränen sind meist problemlos mit Gefrierfutter zu ernähren: Stinte, Feeder fish, Krill, Shrimps, Muschelfleisch.
Es gibt allerdings durchaus hartnäckige Nahrungsverweigerer, daher sollte man sich von seinem Händler die Futteraufnahme demonstrieren lassen. In Problemfällen ist während der Eingewöhnungsphase der Versuch einer Fütterung mit lebenden Black Mollies oder anderen kleinen Futterfischen angezeigt (das wäre allerdings nicht mein Ding). Lebende Sandgarnelen werden nach meiner Beobachtung nicht gefressen. Sonst hilft häufig auch der Pinzettentrick, das Gefrierfutter wird dabei vor dem Muränenmaul hin und her bewegt. Günstig wirkt sich zudem die Akzeptanz von Gefrierfutter durch zumindest eine der Muränen aus, denn über den Futterneid-Effekt kann man dann irgendwann auch die anderen Muränen zum Fressen bewegen.

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Pinzettenfütterung einer jungen Nasenmuräne

Schwieriger ist die Futterbeschaffung bei Aalen. Der o.g. grüne Aal akzeptierte zunächst ausschließlich Lebendfutter, ich reichte ihm daher regelmäßig lebende Sandgarnelen, die in unserer Gegend zum Glück permanent verfügbar sind. Inzwischen frisst mir der Nimmersatt aus der Hand, und zwar so ziemlich alle Tiefkühlfuttersorten, solange die Futterstücke nur ausreichend groß sind.

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Nessie lebt...aber nicht in Schottland

Von größter Bedeutung ist die ausbruchssichere Abdeckung des Aquariums. Gerade Nasenmuränen suchen immer wieder nach Ritzen und Spalten an der Beckenoberfläche, wobei ihnen die kleinste Lücke zum Entkommen reicht. Vorsichtshalber sollte die Abdeckung sehr fest sitzen (ggf. beschweren), damit sie von den Tieren nicht angehoben oder verschoben wird. Muränen können zudem ziemlich weit aus dem Wasser heraus senkrecht in die Höhe steigen. Daher muss sichergestellt sein, dass die Tiere innerhalb der Abdeckung befindliche heiße Leuchten nicht berühren können (Maschendraht oder Netz). Sie scheinen auch gerne auf eine spezielle Art und Weise an der Beckenoberfläche umherzuschwimmen, bei der sich ihr Kopf etwa 10 cm über dem Wasserspiegel befindet. Daher ist es besser, ein Muränenbecken nicht bis zur Oberkante zu befüllen, sondern zwischen Wasseroberfläche und Abdeckung einen etwa 15 cm großen Zwischenraum zu belassen.

Eine gewisse Mindestbeckengröße empfiehlt sich bei der Haltung von Nasenmuränen wegen deren - oft verkannter - Schwimmfreudigkeit. Insbesondere in den frühen Morgenstunden, noch bevor die Blaulichtphase beginnt, herrscht in meinem Becken regelmäßig das reinste Chaos, wenn sämtliche Muränen kreuz und quer unterwegs sind.

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Höhle vom Modell "Juwel-Innenfilter"

Im Aquarium ist für verschiedene Verstecke und Höhlen zu sorgen, in denen sich Muränen und Aale bevorzugt aufhalten. Geeignet sind z.B. große Schneckenhäuser oder undurchsichtige PVC-Rohre verschiedenen Kalibers, die in etwa Muränenlänge haben (80-120 cm). Dadurch fühlen sich die Tiere sicher und haben zudem die Möglichkeit, ohne Streit und Zank mit anderen Beckeninsassen im Innern des Verstecks ganz in Ruhe ihre "Beute" zu verzehren. Dazu schnappen sich die Tiere z. B. einen Futterfisch und ziehen sich mit diesem sofort in die enge Röhre zurück. Meine erste Nasenmuräne wurde z.B. in ihrem Lebendgestein-Versteck immer wieder von Drücker- und Kofferfischen gestört und nistete sich daraufhin kurzerhand im Innenfilter ein (s. Foto oben).

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Wichtig ist die Sicherung von Inneneiweißabschäumern gegen ein Hineinschwimmen der Muränen. Nachdem die neugierigste meiner Nasenmuränen zweimal in der braunen Brühe des Schaumtopfes lag (zum Glück folgenlos), habe ich die untere Abschäumeröffnung mit einem grobmaschigen Netz verschlossen.

seltene weiße Rhinomuraena (?)

Ebenso müssen Strömungspumpen mit Filterkörben versehen werden, um ein Einsaugen der schlanken Tiere zu verhindern. Bei starken Tunze-Pumpen sind selbst die feinen Schlitze des Ansaugrohres bzw. des Filtertopfes noch zu weit, hier muss unbedingt eine zusätzliche Sicherung mit einem grobmaschigen Netz erfolgen. Dagegen reichen bei Aquaclear Powerhead-Pumpen die Schnellfilterpatronengehäuse als Sicherung aus. Details zur Einrichtung und Technik meines Muränenbeckens findet Ihr hier.

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Ein abschließendes Wort zu den Mitbewohnern von Nasenmuränen: Ungeeignet sind aggressive Fische, wie z.B. Drückerfische, da diese den Muränen ihre feinen Sinnesorgane abbeißen können. In kleineren Becken empfiehlt sich zudem der Verzicht auf Knallkrebse und Riffhummer, denn sie vertreiben die vorwiegend Höhlen und Röhren bewohnenden Muränen aus ihren Lieblingsverstecken.


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