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| Es gibt etwa 200 Arten von Seenadeln, von denen jedoch nur wenige
regelmäßig importiert werden. Nachfolgend werden einige typische Vertreter unter
Berücksichtigung ihrer jeweiligen Besonderheiten auch im Hinblick auf die Haltung
besprochen.
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| Diese Art lässt am deutlichsten die Verwandtschaft zu den
Seepferdchen erkennen, insbesondere im Kopfbereich. Sie sind grün oder braun gefärbt und
erreichen eine Körperlänge von über 25 cm. Es gibt Anhaltspunkte dafür,
dass sich die
Geschlechtsunterschiede in Körperbau und Färbung ausdrücken: Einige Tiere sind deutlich
kräftiger gebaut und haben eine bizarr - fast urviehhaft - anmutende
Oberflächenstruktur mit diversen fransenartigen Auswüchsen, während andere Tiere eine
glättere Struktur sowie eine viel intensivere Färbung aufweisen. Für diese Vermutung
spricht, dass die Nadeln immer wieder eine Zweierkombination aus diesen
unterschiedlichen Phänotypen bilden.
Es handelt sich um sehr ruhige Tiere, die nur wenig aktiv schwimmen, sondern sich gemächlich in der Strömung treiben lassen. Hält man mehrere Nadeln in einem Becken, so lässt sich etwas Ungewöhnliches beobachten: Die Nadeln umschlingen sich gegenseitig mit ihren zarten Schwanzenden und bilden - in unterschiedlichsten Formationen von meist 2-4 Tieren - eine Art lebendes Floß, wodurch sich eine stabilere Schwimmlage ergibt. Ähnlich den Schnepfenmesserfischen wird häufig eine senkrechte Position eingenommen, das Maul befindet sich beutesuchend in unmittelbarer Bodennähe.
typische Körperhaltung bei der Nahrungssuche In Sachen Ernährung bevorzugen diese Seenadeln - genau wie Seepferdchen - Mysis, kleinere Sandgarnelen sowie ausgewachsene Artemia. Manche Syngnathus-Seenadeln verweigern leider hartnäckig die Aufnahme von Gefrierfutter und können im Extremfall nur mit Lebendmysis gefüttert werden, sofern sie auch Lebendartemia verschmähen.
Syngnathus-Pärchen Ungewöhnlich ist die Fortpflanzung: Die Tiere haben im Unterschied zu Seepferden und vielen anderen Seenadelarten keinen Brutbeutel, sondern heften sich zwischen 50-100 Eier an ihre Körperunterseite. Nach einigen Wochen schlüpfen über zahlreiche Tage verteilt einzeln die mit 2 cm Länge bereits relativ großen Jungnadeln. Angesichts der stolzen Größe dieser Baby-Seenadeln dürften deren Aufzucht mit frischgeschlüpften Artemianauplien relativ einfach gelingen. Das Hauptproblem ist das Abpassen des Schlupfmomentes, um die Babys herauszufangen und in ein spezielles Aufzuchtbecken zu setzen. In meinem Becken schwammen die Nädelchen immer gleich ins nächste Caulerpa-Dickicht. Ein Umsetzen der eiertragenden Nadel kam für mich nicht in Betracht, da ich dem Tier keinen unnötigen Stress bereiten wollte.
Gelege an der Nadelunterseite Syngnathus-Seenadeln werden im Gegensatz zu den meisten anderen Arten ausgesprochen zutraulich: Sie schwimmen ständig zu der Seite des Aquariums, an der man sich gerade aufhält und verfolgen neugierig jede Bewegung. Beim Hantieren im Becken finden sie sich regelmäßig am Ort des Geschehens ein und lassen sich durch nichts vertreiben. Dabei scheint, anders als bei vielen herkömmlichen Fischen, die Erwartung einer Fütterung nicht der ausschlaggebende Faktor zu sein.
typische Schwimmposition als Zweier-Floß Interessant ist zudem, dass Seepferdchen speziell von diesen Seenadeln offenbar besonders angezogen werden: Immer wieder konnte ich beobachten, wie die Seepferdchen mit ihren Schwanzenden den Körper einer Nadel umschlangen und regelrecht auf den Nadeln "ritten". Die Seenadeln ließen sich dies minutenlang gefallen und schüttelten die Seepferde nur ab, wenn der Schwanz ihren Kopfbereich umfasste. Selbst beim nur wenige Monate alten Seepferdnachwuchs konnte dieses kuriose Verhalten festgestellt werden. Aber auch umgekehrt haken sich die Seenadeln mit ihren Schwanzenden gerne bei den Seepferdchen ein.
"Hüa!"
"Reitendes Seepferd an Nadelkette" Eine weitere Besonderheit ließ sich im Zusammenhang mit einer im gleichen Becken lebenden Wurmseegurke beobachten: Die Syngnathus-Nadeln hielten sich häufig in der Nähe der Seegurke auf, um sich von Algenbewuchs sowie anhaftenden Kleinlebewesen befreien zu lassen. Inzwischen besuchen auch einige Seepferdchen gelegentlich die Gurke zwecks "Körperpflege".
"Einmal Waschen und Fönen bitte!" Wertung: Trotz des höchst interessanten Verhaltens der Syngnathus-Nadeln kann deren Haltung nicht vorbehaltlos empfohlen werden. Immer wieder kommt es nach nur wenigen Monaten zu scheinbar unerklärlichen Todesfällen. Ich vermute als Ursache eine Art Mangelerscheinung durch das Fehlen essentieller Nahrungsbestandteile. |
| Das andere Extrem: Sehr klein (nur 7 cm), blitzschnell und
äußerst schwimmfreudig sind diese Seenadeln. Die Männchen haben im Bereich ihres Mauls
kleine spitze Zacken. Bei dem von mir gehaltenen Pärchen war das rasante Durchjagen des
Beckens in einer Art Tiefflug-Zweierformation sehr schön zu beobachten, wobei die Nadeln
sich immer wieder gegenseitig umkreisten und verfolgten.
Zwischendurch ging dann jede der Seenadeln wieder ihren eigenen
Geschäften nach, um - sobald sie ihrem Partner begegnete - sofort zu einer neuen wilden
Jagd anzusetzen. Als das Männchen nach etwa 20 Monaten aus ungeklärten Gründen
verstarb, tat sich das Weibchen interessanterweise zunächst mit einem Pinzettfisch
zusammen, später mit einer geringelten Seenadel. Zwischen den beiden ganz
unterschiedlichen Nadeln ließen sich in der Folgezeit sogar typische Balzspiele
beobachten.
schwangere Seenadel im Hintergrund Blaustreifen-Seenadeln sind problemlos mit Tiefkühl-Artemia sowie kleinen Stückchen Mysis zu ernähren. Sie sind wie die Syngnathus-Nadeln kein bisschen scheu, sondern äußerst neugierig und fressen von der Pinzette. Nachts schlafen sie in senkrechter Haltung im oberen Beckenbereich, wobei die Schwanzflosse zwischen Caulerpazweige oder Felsspalten geklemmt wird.
Wertung: Diese Nadelart bereitet keine besonderen Probleme und kann uneingeschränkt empfohlen werden. |
| Diese Seenadelart wird auch als "kriechende" Seenadel
beschrieben. Und tatsächlich bewegen sich die Tiere vorwiegend fort, indem sie
unmittelbaren Bodenkontakt halten.
Dabei sind ihre wie geschminkt wirkenden Augen ständig auf der
Suche nach Kleinlebewesen, die von lebenden Steinen und Beckenscheiben gepickt werden.
Gibt man allerdings frisch geschlüpfte Artemia ins Becken, so verwandeln sich die
"Kriechtiere" urplötzlich in nicht gerade elegante Schwimmer, die aus der
Strömung möglichst viele Nauplien zu fangen versuchen.
gemeinsam auf Nahrungssuche Wertung: Insgesamt gesehen handelt es sich bei diesen Seenadeln um ausgesprochen unproblematische, ausdauernde Pfleglinge. |
| Diese sehr hübschen Seenadeln gehören ebenfalls zu den ruhigeren
Vertretern ihrer Gattung. Sie stehen bevorzugt paarweise zwischen Caulerpabüscheln. Bei
Pärchen sind interessante Balzspiele zu beobachten: Die Seenadeln tanzen umeinander,
biegen ihre Körper halbkreisförmig oder nehmen gemeinsam eine kreuzförmige Anordnung
ein. Zwischendurch zucken die Partner mit ihren Köpfen wie einstudiert exakt im gleichen
Rhythmus.
Zebranadel-Pärchen Die Zebra-Seenadeln fressen u.a. Tiefkühlartemia und suchen im Becken nach diversen Kleinlebewesen. Leider stellte sich bei einigen meiner Zebranadeln folgendes Problem ein: Nach einigen Wochen trat im Bereich des Darmausgangs ein pilzartig wirkender Fleck auf, der sich zu einer bissstellenähnlichen Läsion des Nadelkörpers erweiterte. Damit lebten die Tiere dann zwar noch monatelang und scheinbar unbeeinträchtigt weiter, gingen jedoch irgendwann ein. Mich würde sehr interessieren, ob andere Aquarianer ähnliche Beobachtungen gemacht haben. Ich habe schon an Biss-, Scheren- oder Nesselwunden gedacht, jedoch tritt das Phänomen immer an der exakt gleichen Stelle auf und auch nur bei dieser Nadelart, was eigentlich gegen eine derartige Genese sprechen dürfte.
Wertung: Falls das genannte Problem gehäuft bei diesen Nadeln auftreten sollte, müsste man eigentlich von ihrer Pflege eher abraten. Abgesehen davon sind die Zebranadeln jedoch dankbare und - insbesondere bei Pärchen-Haltung - sehr reizvolle Pfleglinge. |
| Eine Art, die den Zebra-Seenadeln in Phänotyp und Verhalten
ähnlich ist. Die Tiere sind in punkto Ernährung unproblematisch, je nach Nadelgröße
werden lebende Artemia oder Gefrierfutter gereicht.
Wertung: Problemlos zu halten und daher empfehlenswert. |
| Diese besonders hübsche Seenadelart ähnelt in Verhalten und
Ansprüchen den Zebranadeln bzw. Ringelnadeln. Es fällt auf, dass die Tiere die meiste
Zeit auf dem "Rücken" schwimmen bzw. ihre Körperunterseite immer einer
"Deckung" zuwenden. Sie zeigen anfangs große Scheu und lassen sich dann nur in
der Blaulichtphase sehen.
Männliche Tiere erkennt man an kleinen spitzen Zacken im Bereich des Mauls. Die Nadeln fressen u.a. Mysis und Artemia.
Wertung: Gut zu halten, empfehlenswert. |
| Immer wieder einmal stößt man bei gut sortierten Händlern auf
ungewöhnliche Seenadel-Exemplare. Die unten abgebildete
braune Seenadel (es könnte sich um eine Fungia-Symbiose-Nadel handeln) ist unter
verschiedenen Gesichtspunkten anders als die vorher beschriebenen Arten: Sie schwimmt
vorwiegend im obersten Beckenbereich, die Körperhaltung ist vorwiegend vertikal, der Kopf
zeigt nach oben. Das nach schräg oben geöffnete Maul pickt Kleinlebewesen von der
Wasseroberfläche. Inzwischen frisst sie auch Tiefkühl-Artemia und kleine Stückchen
Mysis.
Fungia-Symbiose-Nadel? Wertung: Der Erwerb relativ unbekannter Nadelarten ist nur zu vertreten, wenn (vorsorglich) unterschiedliches kleines Lebendfutter zur Verfügung steht. |
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