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Seepferdchen

Gerade die farbigen Seepferdchen gehören sicherlich zu den prächtigsten und auffälligsten Lebewesen der Meere. Eigentlich sind es ganz normale Fische, die lediglich in einer speziellen "Verpackung" daherkommen. Dennoch geht von diesen Tieren eine ganz besondere Faszination aus. Es gibt etwa 35 verschiedene Arten, von denen jedoch nur etwa 5 häufiger importiert werden. Während die kleinste Art gerade wenige Zentimeter groß wird, erreichen andere bis zu 35 cm Körperlänge.

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Zu der Schönheit für das Auge des Betrachters kommt die faszinierende, majestätisch wirkende Schwimmweise dieser Tiere. Der optische Reiz wird noch erhöht durch den Kontrast zum Grün der Seetangwiesen, in denen sich die Seepferde bevorzugt aufhalten.

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Die Geschlechtsunterschiede sind bei Seepferdchen leicht zu erkennen: Die Männchen haben unterhalb des Brustbereiches einen markanten Brutbeutel.

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                       Seepferdchenmännchen mit Brutsack

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                       Seepferdchenweibchen

Leider neigen die farbenprächtigen Importe dazu, im Laufe der Zeit mehr oder weniger stark zu verblassen, wie man gut an dem oben abgebildeten Weibchen erkennen kann. Beim Kauf war das Tier deutlich orange gefärbt, jetzt - 20 Monate später - ist es nur noch ganz zart gefärbt. Vielleicht liegt ein Grund in der unter Aquarienbedingungen verhältnismäßig einseitigen Ernährung.

Auch aus anderen Gründen kann es zu einem Farbwechsel kommen: Ich hielt ein rosarot gefärbtes Männchen und setzte später ein knallgelbes Weibchen, das zusätzlich am ganzen Körper kleine rote Punkte aufwies, hinzu. Das Männchen war von der ersten Sekunde an Feuer und Flamme für die "Neue" und nahm wenige Tage später exakt deren Färbung an - selbst die roten Punkte wurden nachgeahmt!
Leider ging das Männchen einige Monate später aus bis heute ungeklärter Ursache ein. Das Weibchen lebte nach dem Tod des Männchens keine 24 Stunden mehr - es vegetierte nur noch wie ein Häufchen Elend dahin, zu groß war scheinbar der Kummer über den Tod des Partners.

 



Fressverhalten

Seepferdchen fressen durch eine ganz spezielle schnappend-saugende Bewegung ihres Maules. Diese Saugbewegung ist so stark, dass ein deutlich hörbares Geräusch entsteht und selbst Futter, welches den Mauldurchmesser bei weitem übertrifft (z.B. große Sandgarnelen), einfach zerfetzt und eingesogen wird.

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Guten Appetit! - der Rest einer Sandgarnele ist gerade noch zu erkennen

Unmittelbar nach Einsaugen der Beute treten Nahrungsreste in Form einer hauchfeinen Nebelwolke aus dem Kiemenbereich seitlich am Kopf wieder aus, es wirkt, als "dampfe" der Seepferdkopf.

Bevor ein Pferd aber zuschnappt, kann schon einige Zeit vergehen. Die Tiere sehen sich ihre potentielle Beute erst ganz genau an. Selbst wenige Tage alte Jungpferdchen betrachten vor dem Saugakt jede Nauplie bzw. jedes Planktonteilchen, um es sich in der Mehrzahl der Fälle dann doch noch anders zu überlegen.

Haben die Tiere aber erst einmal ihre Wahl getroffen und die Beute versucht zu entkommen, verwandeln sich die sonst so gemächlich daherkommenden Pferde schlagartig in schnelle und wendige Schwimmer und geben erst auf, wenn das Objekt der Begierde in ihrem Magen gelandet ist.

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"Gibt es etwa wieder die leckeren lebenden Mysis?"

Die auf dem letzten Foto abgebildete Seepferdchenart, auch "Korallenseepferdchen" oder "Tigertail" genannt, weist ein besonders langes Maul auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Seepferdchenarten sitzen diese Tiere stundenlang vor bzw. in einem lebenden Stein und stecken ihre "Nase" in jedes Loch und jede Ritze. Sie verfolgen Beute nur selten, sondern warten geduldig darauf, dass das Futter zu ihnen kommt. Im übrigen nerven sie gerne andere Seepferde, indem sie sich wie selbstverständlich an diese hängen und kaum wieder abschütteln lassen.

Ihrer Exkremente entledigen sich die Seepferdchen auf ausgesprochen elegante Art, indem sie beim Absetzen des Kotes eine tänzerisch anmutende Drehung um ihre eigene Achse vollführen. 

 


 

Balzverhalten

Wer ein Seepferdchen-Pärchen hält, wird schon bald das typische Balzverhalten beobachten können. Jeweils in der Morgen- und Abenddämmerung brechen die Partner - sich mit ihren Schwanzspitzen gegenseitig festhaltend - zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Visite durch das Revier auf.

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Dabei nehmen sie eine V-förmige Formation ein und verharren immer wieder an unterschiedlichen Wegpunkten, um ihre Umgebung genauestens zu inspizieren.

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Daneben kommt es oft zu einer Art "Tanz", bei dem sich die Pferdchen minutenlang umkreisen.

Während diese Verhaltensrituale nach meinen Beobachtungen für die Männchen absolute Priorität genießen, sind Weibchen wesentlich weniger bei der Sache und lassen sich durch andere Reize sehr leicht ablenken (z.B. Fütterung). In solchen Fällen erfolgt gelegentlich eine "Bestrafung" des Weibchens, indem das Männchen zwecks Disziplinierung nach dem Kopf des Weibchens schnappt, was wohl ziemlich schmerzhaft sein dürfte. Die gleiche aggressive Reaktion ist festzustellen, falls sich das Weibchen einem anderen Männchen nähert. 

Mit der Treue nehmen es die Seepferdchen im Aquarium längst nicht so genau wie in der Natur (dort soll die Partnerschaft ein Pferdchenleben lang dauern). Hält man z.B. ein Männchen und mehrere Weibchen in einem Becken, so wechselt das Männchen u. U. immer wieder seine Partnerinnen. Anders sieht die Sache aus, wenn mehrere Pärchen in einem Becken sind: Hier kann man über lange Zeit stabile Bindungen beobachten. Nach dem Tode des Partners geht das überlebende Tier meist eine neue Bindung ein.

Kurios: Ist kein passender Partner der gleichen Art vorhanden, sehen sich die Tiere auch bei anderen Seepferdchenarten um. Das führt gelegentlich zu ziemlich merkwürdigen Pärchen. So hat sich kürzlich ein ausgewachsenes Brasilien-Weibchen mit einem vergleichsweise kleinen Korallenpferdchen-Männchen zusammengefunden.

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Wo die Liebe hinfällt...ein ungleiches Paar

 



Fortpflanzung

Vor der eigentlichen Paarung bietet das männliche Seepferd   seinen wassergefüllten Brutbeutel über Stunden dem Weibchen immer wieder an, dabei öffnet es den Beuteleingang durch eine spezielle Bewegung extrem weit. Irgendwann dann "dockt" das Weibchen an das Männchen an und füllt durch ein ausgefahrenes Organ seine Eier in den Beutel des Männchens. Anschließend vollführt der werdende Vater dann wiegende Körperbewegungen, um die Eier im Beutel zu verteilen.

 

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Paarung, links das Männchen

Die Schwangerschaft ist bei den Seepferdchen Männersache. In der väterlichen Brusttasche wachsen innerhalb von zwei bis drei Wochen zwischen 50 und 1.500 (!) kleine Seepferdchen heran, die schließlich lebend geboren werden. Häufig werden nicht alle Jungtiere auf einmal aus dem Brustbeutel entlassen, sondern in mehreren Phasen über einige Minuten oder Stunden verteilt, im Extremfall beträgt die Zeitspanne bis zu zwei Tage. Nicht selten gehen die Männchen einige Tage nach der Geburt ein, die Ursache dafür sollen im Brutbeutel zurückgebliebene tote Seepferdchenbabys sein, die Zersetzungsprozesse hervorrufen.

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Es können sehr viele Schwangerschaften hintereinander auftreten, wobei die Abstände gerade einmal 2-5 Wochen betragen, die durchschnittliche Dauer liegt bei 2-3 Wochen. Es scheint aber auch monatelange unfruchtbare Phasen zu geben.
Nicht selten treten bei Seepferden "Scheinschwangerschaften" auf, der Bauch ist innerhalb von Stunden bis Tagen einmal prallvoll, dann plötzlich wieder von normaler Größe. Zudem kann man häufig beobachten, dass die Männchen ihren Beutel durch Krümmung des gesamten Körpers im wahrsten Sinne des Wortes auspressen, um ihn sofort wieder mit frischem Wasser zu füllen.

Paarungen finden übrigens nicht nur zwischen Seepferdchen der gleichen Art statt, sondern auch zwischen unterschiedlichen Spezies. Es kommt dann allerdings nicht zur Geburt lebender Ponys, sondern zu einem frühzeitigen Ausstoß der nicht richtig entwickelten Babys aus der Bruttasche des Vaters.

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Geburt: Weiße Wolke von Jungpferdchen

 


 

Nachwuchs

Die Jungpferdchen sind bei der Geburt nur wenige Millimeter groß, sehen aber schon aus wie richtige Seepferde. Neugierig nehmen sie sofort ihren neuen Lebensraum unter die Lupe. Fängt man die kleinen Tiere nicht unverzüglich aus dem Becken heraus, so ist am darauffolgenden Tag meist nichts mehr von ihnen zu sehen. Die Größe der neugeborenen Pferdchen schwankt deutlich, wobei besonders kleine Jungbrut zumindest unter Aquarienbedingungen fast keine Überlebenschance hat.

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7 Monate altes Pferdchen

Der Nachwuchs wächst zunächst nur äußerst langsam heran.
Nach vier Monaten sind die größten Tiere gerade 6 cm lang (ausgestreckt von Kopf bis Schwanzspitze), wobei es enorme Wachstumsdifferenzen gibt. Diese Differenzen scheinen in direkter Beziehung zur individuellen Geschicklichkeit bei der Nahrungsaufnahme zu stehen. Nach 5 Monaten liegt ihre Größe bei etwa 7,5 cm (unter Aquarienbedingungen), nach 8 Monaten bei ca. 13 cm. Die Eltern sind bei den Brasilien-Pferden ca. 15-20 cm groß.

Die Lebenserwartung für Seepferdchen soll in der Natur bei ein bis vier Jahren liegen (je nach Art), wobei die Geschlechtsreife der Tiere bereits im Alter von 6 Monaten eintritt. Drei der vier  Seepferdchen, die ich als Erstbesetzung erworben habe, sind inzwischen gestorben - allesamt an Altersschwäche, keines dieser Tiere durch Krankheit. Alle vier waren beim Kauf bereits ausgewachsen und demnach schätzungsweise etwa 1 bis 1 1/2 Jahre alt. Ein gelbes Männchen lebte ein weiteres Jahr in meinem Becken, das zweite orange Männchen zwei Jahre, genau wie das blass rosa gefärbte Weibchen. Das zweite orange Weibchen wird wohl leider in den nächsten Tagen sein Leben aushauchen, es dürfte mittlerweile stolze 3 bis 3 1/2 Jahre alt sein (s. Bild unten).

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traurig: der Tod steht schon vor der Tür

Es ist wirklich sehr schade, dass die Lebenserwartung dieser faszinierenden Wesen nur derart gering ist. Umso schöner ist das Gefühl, dass sie in ihrem Nachwuchs weiterleben. Mein ältestes selbst aufgezogenes "Jungpferdchen" ist bereits über zwei Jahre alt und selbst schon mehrfache Mutter.

 


 

Zutraulichkeit

Seepferdchen können sehr zutraulich werden. Während eine bei vielen Fischarten anzutreffende Scheu vor dem Menschen praktisch nie beobachtet wird, sind umgekehrt einige Tiere derart auf den ihren Halter fixiert, dass sie ständigen Kontakt zu ihm suchen. Sobald sie ihn sehen, schwimmen sie auf ihn zu und fordern durch tanzende Bewegungen sowie deutlich hörbare Schnappgeräusche ihres Mauls zur Fütterung auf.
Beim Hantieren im Becken kommt es gelegentlich vor, dass die Tiere einen oder auch mehrere Finger mit ihrem Schwanz umklammern und als gegebene Festhaltechance nutzen.
Solche Pferdchen nehmen auch gerne Futter aus der Hand entgegen.

Interessant ist die Affinität der Tiere zu in der Natur nicht vorhandenen Gegenständen, die ihnen im Aquarium einen tollen Halt für ihren Greifschwanz geben. So erfreut sich ein normales Thermometer in meinem Becken außerordentlicher Beliebtheit, wie auf folgendem Foto zu erkennen ist.

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Aber auch der Kollege wird gelegentlich zum Festhalteobjekt umfunktioniert, so dass "Pferdeketten" - wie die auf dem Foto unten - entstehen.

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